Filmkritik zu “The Counselor”

Kritik  von Stephan Pfob

Sicher, das ist kein Thriller nach üblichem Maß. Wer’s war, ist klar oder egal, wer stirbt und wie, auch keine Überraschung. Im Gegenteil. Bis auf den Counselor, der keiner ist, redet jeder wie sein künftiges Gespenst. Spannung liegt hier nicht im Plot, sondern in jenem Widerspruch, den einmal, vor seinen Scheinbeseitigungen, das Denken der Antike ausgehalten hat: Dass Freiheit und Verhängnis einander nicht suspendieren, hält alles in Suspense.

Dass die Symbole dabei klappern wie die Thrills beim herkömmlichen Film, muss nur stören, wer allen Ernstes Kunst von Ridley Scott erwartet hat. “Alien” ist aber lange her. Ärgerlich dagegen ist die Neigung der Figuren, bis zur Besinnungslosigkeit zu predigen, sich der ausführlichen Beantwortung von mortal questions da ganz hinzugeben, wo Kleinigkeiten größer wären. Hier sieht man peinlich auf die Eitelkeit des Drehbuchautors Cormack McCarthy durch und denkt, dass auch ein selbstverliebter Koch das Mahl versalzen kann.

Zu ein bisschen Arthouse wird “The Counselor” dann doch. In einer Nebenszene und in sicher nicht so ganz gewollter Ironie verlängert der Film jenen ausgehaltenen Widerspruch von Freiheit und Verhängnis in die Moderne. Denn es ist zunächst ja so, dass, wie die Hand des Spielers in der Puppe, in den Filmfiguren die des Schicksals steckt und in diesem wiederum die Hand McCarthys. Wenn aber dann der endsabgezockte, südstaatencoole Crimecowboy Westray sich an der Bar aufs Unglaubwürdigste ein Heineken bestellt, ein Heineken fürwahr, dann steckt noch in McCarthy und im Hintern des Films, na sagen wir: vielleicht nicht gleich die ganze Hand, aber doch der kleine Finger der holländischen Bierindustrie. Gespenstisch.