Arschlochtext No. 2

Giftschrank  von Michaela Gärtner

Im Fuchteln seiner Perioden erkannte sie den Schiefstand früh und einsam pubertierter Hoden; er sah im Schlingeln ihrer Lippen, wie schmal es auch woanders mit ihr war. Sie gingen schlüssig aneinander auf und liebten sich mit langen Armen heiß von Reihe eins zu Reihe drei im Oberseminar. Bald nannte er sie Schoko-Tart und Sandprinzessin, sie ihn den Simson ohne Bart und Haar. Kein Jazzkonzert, auf dem er unter ihren knappen Blicken nicht alle Posaunisten knipste, kein Sportevent, an dem sie nicht, in seinem Arm, vorüberklappte. Er meinte Höheres und sagte: “Das Härteste an Dir, das ist dein Mund.” Sie dachte Ähnliches und lächelte und drückte ihm später die Hand. Sie schnitzten wie kein zweites Paar am Naseninneren der allergrößten Fragen und wurden in manchen Kreisen recht berühmt. Dann – blieben sie zu lange krank und wurden gelb und starben und wurden, für die Forschung unerloschen, ins selbe schmale Grab gesenkt: Der Himmel war recht heiter, der Wind ein wenig steif, die Ministranten weinten mit dem Handy in der Hand.