Philosophie des Nö

verfasst  von Stephan Pfob

Lichtvoll kaum weniger als lässig denkt eine Garde neuer Bartlebys uns größte Leitideen vor. Sie malen vor den Horizont ein Leben ohne Disziplin und widersprechen jeder Vertikale: Schule, Sport, Diäten, Frühaufstehen, Steuerzahlen, Arbeitnehmen.

Ihre Bewegung der soften Negation (BdsN) verweigert sich dem ungemütlichen Establishment. Vor ihm verdreht sie hinter pinselweichen Lidern die Augen zum Nein. Canapés und Récamièren sind ihre Throne, kissenübersät. Auf diesen ruht kommod Effeminanz, die backige Infantin des Herrschaftsprinzips. In deren Geist regiert gewaltlos die reine Freiheit von.

Die Brücke vom Gehorsam zum Lieber Nicht schlägt heute noch der Hipster. Doch dessen schicker Wurstigkeit, von ihrer Uniformierung längst überführt, spotten Bartlebys mit noch diffuserem Konsum. Sanft zerschlagen sie den Markt mit Idiosynkrasie.

Ihre Revolution verläuft denkbar verzweiflungsfrei. Dass es derart bequem sein könne, nein zu sagen, hätte Adorno kaum zu hoffen gewagt. Daher liegen in den Bidets der BdsN Badiou, Žižek und Agamben und nicht er, dem schon die Schüler auf der Flucht vor allzu bestimmten Negationen brav in die Disziplin entlaufen waren.

So formt sich, neurotisch mit Papa verbunden, eine neue Heilige Familie, bestehend aus einem bisschen Mama, meinem Vergnügen und mir. Durch die sanfte Abwehr aller Pflichten im Konsum – dem gegenüber man ganz folgerichtig nicht länger mehr zur Kritik verpflichtet wäre – und durch die unzynische Einsicht, dass alles ohnehin nicht aufzuhalten wäre, realisiert sich, endlich, Jouissance auf Erden.