Get dressed

verfasst  von Stephan Pfob

Saison der schamlosen Körper. Vor allem all die Haut, revue drastique der Schenkel, Schultern, Bäuche. Als fahler Wulst, verschwitzt und fleckig, kriecht in die Parks dieses Heer von Maden, lichtscheufarben, wie unter Steinen aufgestört. Jeder zeigt, wie schlecht er seinen Leib bewohnt.

Die Augen halten im grinsenden Geruch von Stubenfuß den Atem an. Wie Silberfische huschen auch Schönere vorbei. Die ganzen Nackedeis enthüllen Natur als Hässlichkeit, als blindes heimliches Gewachsensein.

Kultur aber wäre, wie sehr wir uns bekleiden. Schon Hände bedecken sich mit Tätigkeiten, Gesichter mit Gefühl. Eine Kette macht eine Gurgel zum Hals wie ein Zaun eine Wildnis zum Garten. Bloße Unterschenkel aber, wenn man nicht hart an ihnen gearbeitet hat, vergelten Angesehenwerden mit Dermatologie.

Und, dass wir Abstand wahren: Nähe ist Gewalt. So keucht man, wie um es auszuhalten, auch nachts aneinander vorbei, Schläfe an Schläfe, oder schaltet das Licht vorher aus. Jeder Barbetreiber, der am Dimmer dreht, weiß, warum man im Dunkeln zusammenrückt: Nicht, um sich besser zu sehen, sondern weil man sich weniger sieht.

Im Sommer aber sticht das Bedürfnis, mal nicht durch Stoff zu schwitzen, die letzte Rücksicht aus. Das viele Licht ist wie der Wühltisch, den man besinnungslos umdrängt – die Ellenbogen im Achselnass vom Nebenmann.