Märchen

Bild  von Stephan Pfob

Der Esel ist schon tot. Ich habe ihn so lieb in der Erinnerung, dass ich fast glaube, er warte drüben auf mich. Er hieß vielleicht Erna, wohl aber anders, was macht das schon. Eine Kette dieser Tiere trug uns, duldsam und mit festem Fell, zur Wartburg hinauf und ich fühlte mich berechtigt, in diesem nicht zu hohen, zärtlichen Geschaukeltwerden eine Freundschaft zu sehen.

Die andern reiten typischere Tiere: dunkel und gedrungen, helle Mäuler, kuschelige Augen. Auch trag ich zwischen Anoraks und Jacken eine Kutte wie ein Mönch. Bis auf meinen und den meiner Eselin, die älter wirkt, sind alle Köpfe gesenkt. Wir scheinen beide leicht besorgt. Damals gab der Tränenprinz einer Märe Glut zu fressen, der darauf Flügel wuchsen. So hässlich war der Drache, gegen den sie dann flogen, dass ich kaum wagte, ins Buch zu schauen. Mir geht es heute mit dem Kind zur Rechten ähnlich.

Dann weiß ich noch, wie meine Mutter mich im Turm die letzten Stufen beinah alleine gehen lässt, aus Höhenangst. Nicht der Ausblick aber, nur dieser Augenblick im kalten Wandelgang, über uns das helle Loch, und die doch schöne Angst der Mutter, die mich hält, sind mir geblieben.